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Schweinfurter Tagblatt vom 08.11.2004

Bei uns wird nichts vorgekaut

Ein Projekt des afz: Auch dank Vermittlungscoaching zum neuen Job

SCHWEINFURT (UF) Fußballvereine haben mindestens einen, Arbeitslose in Schweinfurt künftig ebenfalls:

einen Coach. Der ist eine sie und heißt Ulrike Stahl.

Seit März 2003 ist die 38-jährige aus Grafenrheinfeld Betreuerin des Senior-Coaching Projektes des afz, das von der Gemeinschaftsinitiative der EU EQUAL unterstützt wird (wir berichteten). Hier bekommen Langzeitarbeitslose einen Paten vermittelt, der bei der Arbeitssuche hilft. “Oft sind es einflussreiche Persönlichkeiten, es können aber auch Rentner sein, die viel Zeit haben, um sich mit Problemen der Arbeitslosen auseinanderzusetzen”, sagt Ulrike Stahl.

Um die Arbeitslosen noch besser unterstützen zu können – einige Paten hätten außerdem oftmals keine Zeit -gibt es seit Mai 2004 ein neues Projekt. Beim Vermittlungscoaching, das kostenlos ist, trifft sich einmal pro Woche, dienstags von 10 bis 12.30 Uhr, eine Gruppe Arbeitssuchender jeden Alters. Sie sprechen durch, ob ihre Bewerbungen erfolgreich waren, wo sie nach neuen Angeboten gesucht haben, was sie verbessern können.

“Im Unterschied zu anderen Bewerbungshilfeprojekten bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe an”, erklärt die Leiterin. Das heißt: “Nichts wird vorgekaut” sondern alles selbst erarbeitet, damit die Teilnehmer lernen und nicht auswendig lernen. Im Vorstellungsgespräch merkt der Arbeitgeber nämlich sofort, wenn der Bewerber nicht von dem überzeugt ist, was er sagt. Dem soll hier vorgebeugt werden. Jeder Teilnehmer präsentiert sich vor der Gruppe, wird bei Fehlern korrigiert. Selbstbewusst sollen sie auftreten. “Studien zeigen, dass in Gesprächen nur zu sieben Prozent auf Inhalt, aber zu 35 Prozent auf Stimme und zu 58 Prozent auf Gestik und Mimik geachtet wird”, erklärt Stahl. Das wird hier geübt. Außerdem haben alle einen Flyer erstellt, auf dem sie sich präsentieren, Stärken aufzeigen. Den schicken sie als Initiativbewerbung ab.

Hauptsächlich geht es bei diesem Treffen aber darum, neue Motivation und Kraft zu schöpfen. Die vielen Absagen frustrieren die Teilnehmer. Gegenseitig unterstützen sie sich und machen sich Mut. “Kopf hoch und professionell durch” sei hier das Motto, sagt ein Teilnehmer.

Wie ist das aber, wenn der eine einen Job findet, der andere aber nach einem Jahr immer noch da ist? “Da werd’ ich schon mal neidisch, aber das motiviert mich auch”, erklärt eine Teilnehmerin. “Das ist dann auch meine Aufgabe, das Thema anzusprechen”, sagt Stahl. Seit Mai konnte sie dank Coaching bereits fünf Arbeitssuchende vermitteln.

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